Polizeinotruf in dringenden Fällen: 110

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HMS Interviews
Interviews
Beschäftigte des Polizeipräsidiums Münster erzählen von ihrer Motivation, prägenden Erlebnissen - und ob sie wieder zur Polizei gehen würden.

In der digitalen Ausstellung "Haltung. Macht. Sinn." stoßen Sie immer wieder auf persönliche Zitate von Kolleginnen und Kollegen aus dem Polizeipräsidium Münster. 

Die Interviews, die wir mit ihnen für dieses Projekt geführt haben, können Sie hier in voller Länge nachlesen. Unsere Kolleginnen und Kollegen erzählen, warum sie zur Polizei gegangen sind, welche prägenden Erfahrungen sie gemacht haben, wann sie sich schon einmal ohnmächtig gefühlt haben - und ob sie sich heute wieder für die Polizei entscheiden würden. Alle Interviews spiegeln ausschließlich die individuelle Meinung der Befragten wider.

Gut zu wissen: Die Befragten haben selbst entschieden, welche persönlichen Informationen sie an dieser Stelle über sich preisgeben möchten. Daher fallen diese Angaben bei jedem Interview unterschiedlich aus.

Polizeikommissarin (24), Autobahnpolizeiwache Recklinghausen

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben?

Ich wollte eigentlich schon immer zur Polizei. Schon als Kind war das mein Traumberuf. Für mich waren Polizisten und Polizistinnen immer die Personen, die einen beschützen. Ich habe damals ziemlich früh gesagt, dass ich auch mal jemand sein möchte, der eine solche Uniform trägt und draußen auf der Straße Menschen hilft und auch bereit ist, sich selbst dafür in Gefahr zu begeben. Ich habe viele Jahre lang Leistungssport betrieben und bin auch dort immer wieder gerne an meine Leistungsgrenzen gegangen. Zudem übernehme ich gerne Verantwortung, habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und halte mich für pflichtbewusst, was, denke ich, zu dem Polizeiberuf ziemlich gut passt. Außerdem fand ich es unglaublich reizvoll und spannend, mit den unterschiedlichsten Menschen, Religionen, Nationalitäten aber auch Schicksalen in Berührung zu kommen. Das hat für mich den Beruf als Polizistin so attraktiv, spannend und vielseitig gemacht.

Welche Einsatzsituation/Situation im Beruf ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht?

Eine bestimmte Einsatzsituation, die mir besonders positiv in Erinnerung geblieben ist, habe ich nicht. Ich muss sagen, dass ich in den drei Jahren, die ich jetzt auf der Autobahn arbeite, durchweg keine schlechten Erfahrungen gemacht habe und die meisten Menschen sehr dankbar sind, wenn man ihnen hilft. Belastende Einsätzen oder auch körperliche Auseinandersetzungen fordern einen heraus und machen den Beruf als Polizist oder Polizistin sicherlich nicht einfach, aber wenn man am Ende des Tages nach Hause kommt und das Gefühl hat, etwas Gutes getan zu haben bzw. geholfen zu haben, ist meiner Meinung nach das, was wirklich zählt. Ich persönlich erfahre viel Lob und Anerkennung von Familie und Freunden dafür, dass ich diesen Beruf ausübe.

In welcher Situation hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht?

Ohnmächtig habe ich mich bis jetzt noch nicht in meinem Beruf gefühlt. Natürlich gibt es Tage und Einsätze, die mal nicht perfekt laufen und sehr belastend sind. Aber am Ende des Tages sind auch wir, Polizisten und Polizistinnen, nur normale Menschen und nicht perfekt. Es geht vorrangig darum, Gefahren für die Menschen zu vermeiden und den eigenen Kollegen und sich selbst zu schützen, um am Ende des Tages wieder gesund nach Hause zu kommen. 
Auf der Autobahn gehören schwere und tödliche Unfälle zu den Einsätzen, die sehr belastend sind und bei denen man sich manchmal hilflos fühlt. Aber gerade solche Ereignisse gehören zu dem Tätigkeitsbereich auf der Autobahn und dem Beruf dazu und ich glaube, dass man für sich selbst auch immer etwas aus solchen Einsätzen mitnimmt und daran wächst. Mir wird nach tödlichen Unfällen immer wieder bewusst, wie schnell und plötzlich das Leben auf einmal vorbei sein kann. 

Was bedeutet der Diensteid für Dich persönlich?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir damals, als ich nach dem Abitur bei der Polizei angefangen habe und den Diensteid geschworen habe, nicht viele Gedanken darüber gemacht. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, bekommt dieser Tag einen ganz anderen Stellenwert. Gerade in der heutigen Zeit hat der Eid eine besondere Bedeutung. Ich schätze es sehr, mit so vielen unterschiedlichen Menschen, Nationen und Religionen in Berührung zu kommen, und habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Dennoch glaube ich, dass es aufgrund von Erfahrungswerten oft schwierig ist, nicht zu pauschalisieren und es daher umso wichtiger ist, sich den Inhalt und die Bedeutung des Diensteids immer wieder vor Augen zu führen. 

Auf einer Skala von 1 (auf jeden Fall) bis 10 (auf gar keinen Fall): Würdest Du Dich heute noch einmal dafür entscheiden, Dich bei der Polizei zu bewerben – und warum (nicht)? 

Für mich ist der Polizeiberuf nach wie vor sehr attraktiv und ich würde mich jederzeit wieder für diesen Beruf entscheiden. Ich bin zwar erst seit drei Jahren fertig und ich denke, es ist irgendwo normal, zu Beginn des Arbeitsleben für den Beruf, für den man sich entschieden hat, zu brennen, zumindest sollte es so sein, aber ich denke, da wird sich auch in naher Zukunft nicht viel dran ändern. Das Schönste an meinem Job ist, dass man mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt kommt und kein Tag und Einsatz ist wie der andere. Das macht diesen Beruf auf jeden Fall so speziell, vielfältig aber auch aufregend. Es gibt Tage, wo wir zu extrem belastenden und schweren Unfällen gerufen werden, aber die Bürger natürlich trotzdem erwarten, dass die Polizei professionell arbeitet und einen klaren und kühlen Kopf bewahrt.

Polizeihauptkommissar (47)

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben?

Einen Beruf zu erwerben, der die Gesellschaft schützt, und in einer Organisation tätig zu sein, die so facettenreich ist, dass ich „meine“ Fähigkeiten dort einbringen kann.

Welche Einsatzsituation/Situation im Beruf ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht?

Das erste Mal einen Täter auf frischer Tat festzunehmen, war ein unglaublich prägendes Ereignis. Dieses Gefühl hat meine Berufswahl nachhaltig gestärkt und meine Überzeugung gefestigt, den richtigen Beruf für mich gewählt zu haben.

In welcher Situation hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht?

Ohnmacht habe ich zum Glück noch nie erfahren. Aber das Gefühl, einen Kollegen im Einsatz Sterben zu sehen, hat meinen Drang nach professionellem Vorgehen noch weiter bestärkt.

Was bedeutet der Diensteid für Dich persönlich?

Der Diensteid ist ein Baustein, auf dem ich meine Überzeugung, einen wichtigen und für mich „richtigen“ Beruf auszuüben, aufbaue. Meine Motivation ist ein weiterer Baustein, ohne den der andere Baustein nicht vollständig wäre.

Auf einer Skala von 1 (auf jeden Fall) bis 10 (auf gar keinen Fall): Würdest Du Dich heute noch einmal dafür entscheiden, Dich bei der Polizei zu bewerben – und warum (nicht)? 

Eins, weil ich für mich persönlich die berufliche Erfüllung gefunden habe.

Dennis (28), Regierungsinspektor, ZA 2.1 (Personalabteilung)

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben?

Ich habe nach meinem Abitur zunächst ein Chemiestudium aufgenommen. Allerdings sah ich meine berufliche Zukunft nicht in diesem rein naturwissenschaftlichen Bereich und wollte mich gerne verändern. Aufgrund meines Interesses an gesellschaftlichen und rechtswissenschaftlichen Aufgabenbereichen entschied ich mich für ein duales Studium bei der Bezirksregierung. 
Nach dem Studium war es für mich zum einem wichtig, in Münster zu bleiben. Zum anderen war mir aber auch wichtig, einer spannenden und herausfordernden Tätigkeit im öffentlichen Dienst nachzugehen. Bis zum Ende meines Studiums hatte ich mit der Verwaltungsarbeit bei der Polizei erst wenig Berührungspunkte. Aufgrund der positiven und interessanten Berichte - hinsichtlich der Tätigkeitsfelder und des Miteinanders bei der Polizei - von Kommilitonen, die bereits einen Praxisabschnitt im Verwaltungsbereich der Polizei absolviert hatten, entschied ich mich dafür, neben der Bezirksregierung Münster auch das Polizeipräsidium Münster als Einsatzwunsch anzugeben. 

Welche Einsatzsituation/Situation im Beruf ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht? 

Besonders positiv in Erinnerung sind bei mir solche Situation geblieben, in denen ich Regierungsinspektoranwärter/innen angelernt habe. Mir macht es immer sehr viel Spaß, Menschen etwas beizubringen und zu versuchen, sie für die Verwaltungsarbeit bei der Polizei zu begeistern. 

In welcher Situation hast Du dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht? 

Zu meinem Tätigkeitsfeld gehört es dazu, mit Kolleginnen und Kollegen zu sprechen, die von Dienstunfähigkeit betroffen sind. Hierbei hat es mich oft traurig gemacht zu hören, was die Kolleginnen und Kollegen für Schicksalsschläge erlitten haben. Über diese Gespräche habe ich oft im Nachhinein nachgedacht und es hat mich dankbarer dafür werden lassen, dass es mir gesundheitlich gut geht.

Was bedeutet der Diensteid für Dich persönlich?

Der Diensteid bedeutet für mich persönlich, sich fortwährend weiterzuentwickeln und fortzubilden, um dem Anspruch, der aus dem Diensteid erwächst, immer gerecht werden zu können. 

Würdest Du dich heute noch einmal dafür entscheiden, Dich bei der Polizei zu bewerben – und warum (nicht)? 

Ja, da ich die Arbeit bei der Polizei als sehr abwechslungsreich, interessant und spannend empfinde. So finde ich neben der Sachbearbeitung auch die Möglichkeit, Regierungsinspektoranwärter/innen anzulernen und gelegentlich bei den Assessment Centern der Kommissarsanwärter/innen mitzuwirken, sehr spannend. Aber auch das unglaublich kollegiale Miteinander schätze ich sehr bei der Polizei. Ebenfalls ist es großartig, um beispielsweise, wie in meinem Fall, noch ein Masterstudium aufzunehmen. Hierbei würde ich mir jedoch wünschen, dass das Land zukünftig mehr Karrieremöglichkeiten für den Aufstieg vom gehobenen in den höheren Dienst für Verwaltungsmitarbeiter schafft. 

Polizeihauptkommissar (47)

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben?

An dieser Stelle gibt es keine besondere Geschichte zu berichten.

Welche Einsatzsituation/Situation im Beruf ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht?

Natürlich gab es auch in meinem polizeilichen Leben besondere Einsatzsituationen, die mir positiv in Erinnerung geblieben sind, und mich auch motiviert haben. Besonders geprägt hat mich der tägliche Umgang mit den Kollegen in unserer kleinen „Polizeifamilie“ am Alten Steinweg. Der besondere Zusammenhalt hat uns nicht nur damals stark gemacht, er bringt uns auch heute – obwohl bereits alle umgesetzt – noch regelmäßig zusammen.

In welcher Situation hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht?

Zu Beginn meiner polizeilichen Laufbahn durfte ich meine ersten Schritte im damaligen Schutzbereich 5 des Polizeipräsidiums Köln erleben. Wir befanden uns in unmittelbarer Nähe und trafen noch vor der Feuerwehr am Ort ein. Die Wohnung im dritten Obergeschoss stand im Vollbrand, im Treppenhaus kam uns bereits Wasser entgegen, was darauf hindeutete, dass der Mieter bereits versucht hatte, den Brand selber zu löschen. 

Wir haben zunächst versucht, die Wohnungstür aufzutreten, was uns zum Glück nicht gelungen ist – nachfolgend betrachtet hätten wir wahrscheinlich eine massive Durchzündung verursacht. Als wir wieder vor das Haus traten, konnten wir sehen, wie der Mieter mit dem größten Teil seines nackten Oberkörpers aus einem kleinen Fenster hing und laut schrie. Der Rauch stieg aus dem Fenster hin aus in die Höhe. Mit Eintreffen der Feuerwehr fiel der Mieter aus dem Fenster und prallte auf den Boden. Die Person wurde im Rettungswagen erstversorgt. Um die Person auf der Transportliege umzudrehen, bat man uns um Unterstützung. Bei Herantreten an die Person konnte man sehen, dass die gesamte Haut wie ein zu großer Gummianzug vom Körper in Blasen abstand. 

Es war der letzte Einsatz in dieser Nacht. Wir haben den Einsatz und das Erlebte ausgiebig bei der einen oder anderen Flasche Kölsch „nachbesprochen“. An Schlaf war nicht zu denken. Immer wieder hatte ich die Schreie im Ohr und die plötzliche Stille, als die Person wie in Zeitlupe aus dem Fenster fiel. Erst Tage später hatte ich für mich klar, dass wir in dem Moment nicht mehr hätten machen können und zum Komparsen wurden.

Das Ganze ist jetzt 25 Jahre her! Und trotzdem bekomme ich bei den Gedanken daran immer noch ein flaues Gefühl im Bauch.

Was bedeutet der Diensteid für Dich persönlich? 

Ich wurde im jugendlichen Alter von 17 Jahre vereidigt. Ich glaube, dass mir die tatsächliche Tragweite des Diensteides damals gar nicht bewusst gewesen ist.
In erster Linie war es damals ein schöner Tag für mich, zu welchem auch unsere Angehörigen eingeladen waren. 
Erst im Laufe meiner Dienstjahre und der wachsenden Einsatz- und Diensterfahrung ist mir bewusst geworden, welche Tragweite meine damalige Berufswahl mit sich gebracht hat. Die besondere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, sich für das Gute einzusetzen, aber auch der notwendige Blick in tiefe menschliche Abgründe. Wir alle haben Situationen erlebt, in denen wir „hineinlaufen“ mussten, obwohl wir vielleicht lieber, wie alle anderen, davongelaufen wären.

Würdest Du Dich heute noch einmal dafür entscheiden, Dich bei der Polizei zu bewerben – und warum (nicht)?

Obwohl ich damals nicht überblicken konnte, was mich erwartet, und ob ich dem gewachsen bin, kann ich heute sagen, dass der Dienst bei der Polizei genau mein Ding ist.

Kriminalhauptkommissar

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben? 

Schon als kleiner Junge in der Grundschule wollte ich unbedingt Polizist werden. 
Ich empfand es immer als etwas Gutes, Polizist zu werden. Durch Gespräche mit einem Polizisten in meiner Familie wurde der Berufswunsch weiter gestärkt. 

Welche Einsatzsituation/Situation im Beruf ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht? 

Zusammen mit den Kollegen einen erfolgreichen Aufschlag/Abschluss in einer Ermittlungskommission (EK) zu haben. Da ist man stolz auf die Teamleistung und man erfährt eine gewisse Genugtuung, wenn man die Täter „zur Strecke“ gebracht hat. 

In welcher Situation hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht? 

Wenn man diensttechnisch sowieso schon am Limit ist und dann noch jemand kommt, der einem zusätzliche Aufgaben beziehungsweise noch mehr Arbeit aufbürdet. Das wirkt sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit aus. 

Was bedeutet der Diensteid für Dich persönlich? 

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich da noch nie drüber nachgedacht. Der Diensteid war auch nie so wichtig für mich. Polizist zu sein war/ist für mich alleine schon eine „Haltung“. 
 
Auf einer Skala von 1 (auf jeden Fall) bis 10 (auf gar keinen Fall): Würdest Du Dich heute noch einmal dafür entscheiden, Dich bei der Polizei zu bewerben – und warum (nicht)? 

Zwei, da die positiven Erfahrungen absolut überwiegen! 

Ute (61)

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben?

In meinem Traumberuf Lehrerin gab es keine Aussicht auf eine Stelle, Alternativen waren rar. Da brachte mein Vater (auch Polizeibeamter) die Adresse mit, bei der man sich für den gehobenen Dienst bei der Kripo bewerben konnte. Gereizt hat mich die finanzielle Unabhängigkeit schon in der Ausbildung, die mir ein eigenständiges Leben ermöglichte.

Welche Einsatzsituation/Situation im Beruf ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht?

Ein 4- oder 5-jähriger Junge wurde seit einigen Stunden vermisst. An seinem Wohnort wurde mit Hochdruck nach ihm gesucht, es begann bereits dunkel zu werden. Als sich ein Zeuge meldete, der angab, das Kind mit einem fremden Mann gesehen zu haben, nahm der Druck auf alle Beteiligten nochmal zu. Mit einem Kollegen bekam ich den Auftrag, die elterliche Wohnung zu durchsuchen. Natürlich versicherten uns die Eltern, alles mehrfach gründlich abgesucht zu haben. Sie hatten wenig Verständnis für unsere Maßnahme. Trotzdem fing ich im Kinderzimmer an – und fand ihn im Kleiderschrank, dort hatte sich der kleine Mann versteckt! Freudentränen und ein dickes Dankeschön der Eltern waren der Lohn. 
Dieser Fall hat mir gezeigt, dass alt hergebrachte Einsatzgrundsätze durchaus ihre Berechtigung haben, und man immer auf ein gutes Ende hoffen darf.

In welcher Situation hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht?

Ich kenne Ohnmacht, gerade nach langen Vernehmungen von Opfern in Bereich der Sexualdelikte. Man erlebt die Tat quasi mit und kann den Menschen dahinter nicht schützen. Im Gegenteil muss man bei seinem Gegenüber schmerzliche Erinnerungen wieder hervorholen und sie zu Papier bringen. Das ist manchmal harte Arbeit – für beide Seiten. Und dann entlässt man das Opfer wieder in seinen Alltag. Die schlimmen Erfahrungen und Verletzungen kann man ihm nicht nehmen.
Das Einzige, was mir hier geholfen hat, war die Rückbesinnung auf meine Aufgabe: Eine gute Vernehmung, wertschätzend für das Gegenüber aber auch konsequent in der Sache und immer auf Klärung des Sachverhaltes bedacht. Das ist es. Nicht mehr und nicht weniger.

Was bedeutet der Diensteid für Dich persönlich?

Der abstrakte Eid hat keine Bedeutung für mich. Relativ nüchtern wurde ich an meinem ersten Tag bei der Polizei mit 23 Kolleginnen und Kollegen in einem Sitzungsaal vereidigt. Vielleicht hätte ich es sogar längst vergessen, wenn es da nicht ein Pressefoto gäbe, das seinerzeit in der örtlichen Zeitung erschien. Das habe ich aufbewahrt.
Für mich sind die Werte wichtig, die hinter dem Eid stehen. Das ist unsere und meine Richtschnur!

Auf einer Skala von 1 (auf jeden Fall) bis 10 (auf gar keinen Fall): Würdest Du Dich heute noch einmal dafür entscheiden, Dich bei der Polizei zu bewerben – und warum (nicht)

1: Aus heutiger Sicht war die damalige Entscheidung genau richtig. Auch wenn nicht alle Stationen gleich schön waren, stimmt doch das Gesamtpaket!
6: Wenn ich heute jung wäre und eine Entscheidung treffen müsste, würde sie wohl gegen diesen Beruf ausfallen. Ich sehe unseren Apparat heute zahlengläubig und wenig kreativ. Die Angst vor der eigenen Verantwortung führt zu immer mehr Bürokratie und „Checklistendenken“. Der eklatante Personalmangel tut ein Übriges.

Anonym

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben?

Zum einen das Bedürfnis, Menschen helfen zu wollen und etwas Gutes zu tun. Zum anderen verspricht das Beamtentum Gleichberechtigung, eine gewisse Sicherheit und eine damit einhergehende Unabhängigkeit.

Welche Einsatzsituation/Situation im Beruf ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht?

Für mich war es ein besonderes Gefühl, im Einsatz Wertschätzung durch den Bürger zu erfahren. Vermehrt habe ich diese nach dem Silvester 2015 in Köln wahrgenommen. Die Bürger kamen persönlich auf einen zu und haben einem für den Einsatz und die Anwesenheit gedankt. Zudem habe ich zu dieser Zeit auch ein größeres Verständnis für Maßnahmen und eine positivere Haltung gegenüber der Polizei wahrgenommen.

In welcher Einsatzsituation hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht?
Als eine einzelne Person im Einsatz (Wach- und Wechseldienst) aufgrund meines Geschlechts nicht mit mir gesprochen hat und zudem den Rest der Gruppe aufstacheln konnte, ihm gleichzuziehen. Gleichzeitig wurde sich darüber lustig gemacht und ich musste es so hinnehmen. Diese Situation hat mich sehr wütend gemacht.

Was bedeutet der Diensteid für Dich persönlich? 

Ich kann mich an meinen Diensteid und seinen Inhalt nicht mehr erinnern.

Auf einer Skala von 1 (auf jeden Fall) bis 10 (auf gar keinen Fall): Würdest Du Dich heute noch einmal dafür entscheiden, Dich bei der Polizei zu bewerben – und warum (nicht)?

Drei.

Ulrich, Erster Kriminalhauptkommissar a.D., ehemals Kriminalkommissariat 11

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben?

Meine Ursprungsberufswünsche schienen mir in Erwartung der Abiturnoten nicht erreichbar (bei etwas mehr Einsatz hätte ich sie rückblickend wohl doch erreichen können), daher habe ich mich nach einem anderen interessanten Beruf umgesehen und wurde durch Verwandte, die schon bei der Polizei tätig waren, über die vielschichtigen Bereiche in diesem Beruf aufgeklärt. 
Einige Ausführungen des damaligen polizeilichen Einstellungsberaters (1976) haben sich dann im Laufe der ersten Ausbildungsmonate sehr schnell als unzutreffend erwiesen, trotzdem habe ich an dem nun eingeschlagenen Weg festgehalten. 

Welche Einsatzsituation/Situation im Beruf ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht?

Die letzten 30 Jahre meiner beruflichen Tätigkeit habe ich hauptsächlich mit der Bearbeitung von Tötungsdelikten verbracht. Die Aufklärung eines solchen Deliktes setzt Teamarbeit und Zusammenarbeit mit verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen voraus. Ich habe sehr viele Fälle erlebt, bei denen wir als Team nur durch einen äußerst beharrlichen Einsatz letztendlich zum Erfolg gekommen sind. Dabei wurde oft das eigene Familienleben der Fallklärung untergeordnet, und das nicht nur ein oder zwei Tage lang, in wenigen Fällen auch monatelange Ermittlungsarbeit auf hohem Niveau.

In welcher Situation hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht?

In meinem langen Berufsleben habe ich viele Tatorte mit teilweise grausam zugerichteten Opfern gesehen und das Leid der jeweiligen Angehörigen direkt miterlebt. In diesen Momenten gelingt es nicht immer, den Angehörigen den ihnen zustehenden Trost zu spenden, da hinter manchen Taten kein Sinn erkennbar ist.
Auf die Frage „Warum wurde meine Tochter/mein Sohn getötet“ erwarten die Angehörigen eine Antwort, aber manchmal gibt es keine Erklärung für sinnloses Täterhandeln.
Ebenso die Fälle, in denen ein Tötungsdelikt wahrscheinlich ist, aber man findet keine Leiche oder nur eine unvollständige Leiche.

Mein erster Berufswunsch war Pfarrer – aber nach so vielen Jahren hat sich auf Grund der geschilderten Eindrücke meine eigene persönliche Einstellung zu Gott deutlich verändert – was ist das für ein Gott, der Tötungsdelikte an Säuglingen/Kleinkindern zulässt ? 

Daneben war auch die spätere juristische Aufarbeitung mancher Fälle nicht immer in meinem Sinne – das Opfer wird in einem solchen Verfahren sehr oft nur in eine Nebenrolle gedrängt und man kümmert sich nur um den Täter. 

Der juristische Begriff „Rücktritt vom Versuch“ ist für Nichtjuristen schwerlich zu verstehen. In solchen Situationen wurde ich oft von Angehörigen gefragt, wieso denn das Gericht auch bei multiplen Stichverletzungen nur auf Körperverletzung und nicht auf Totschlag erkannt hat – die Angehörigen wenden sich nicht an das Gericht, sondern an den ihnen als Ansprechpartner bekannten Polizeibeamten.

Was bedeutet der Diensteid für Dich persönlich?

Auch unter schwierigsten Bedingungen nie die Grenze des Erlaubten (gemeint sind die Eingriffsrechte nach der Strafprozessordnung und dem Polizeigesetz) verlassen.

Auf einer Skala von 1 (auf jeden Fall) bis 10 (auf gar keinen Fall): Würdest Du Dich heute noch einmal dafür entscheiden, Dich bei der Polizei zu bewerben – und warum (nicht)? 

Acht. Mit den geänderten Laufbahnvoraussetzungen/Pflichtverwendungen würde ich den Beruf nie so ausüben können, wie ich ihn noch ausüben konnte. Daneben habe ich gerade in den letzten Jahren ständig Einmischungen der sogenannten Landesoberbehörden erleben müssen, die bar jeglicher Fachlichkeit waren.

Claudia (62), Erste Kriminalhauptkommissarin a.D., ehemalige Leiterin Kriminalkommissariat 12

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben?

Ausschlaggebend war eine Diskussion rund um Jugendkriminalität im Rahmen des Soziologieunterrichtes in der 12. Klasse, im Jahre 1976. An dieser Diskussion nahmen unter anderem ein Richter, eine Sozialarbeiterin und eine Vertreterin der Polizei Münster teil. Ich war fasziniert von ihren Schilderungen im Zusammenhang mit der Bearbeitung von Jugendsachen, so dass ich mich in der Folgezeit konkreter mit dem Berufsbild „Kriminalbeamtin“ auseinandergesetzt habe. Das Studium als Seiteneinsteigerin für den kriminalpolizeilichen Bereich habe ich am 01.08.1977 aufgenommen. 

Welche Einsatzsituation/Situation im Beruf ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht?

Als kriminalpolizeiliche Sachbearbeiterin habe ich 1997 einen Fall bearbeitet, der heute rechtlich als Nachstellung verfolgt wird. Die Geschädigte, eine Frau Mitte 50, Lehrerin, wurde zu diesem Zeitpunkt bereits über zwei Jahre von einem Mann in unterschiedlicher Weise angegangen (zum Beispiel regelmäßige nächtliche Anrufe, Auflauern und Ansprechen vor der Haustür, Überreichen und Zusenden von Geschenken). Diese Frau hatte Schlafstörungen, traute sich nicht mehr allein aus dem Haus, war in regelmäßigen Abständen nicht arbeitsfähig und immer wieder in psychologischer Behandlung. Sie hatte bereits in der Vergangenheit mehrfach versucht, bei der Polizei Anzeige zu erstatten, wurde allerdings mit dem Hinweis, ihr nicht helfen zu können – da keine Straftat vorläge – wieder weggeschickt. Ich habe dieser Geschädigten im Rahmen der Anzeigenaufnahme zugehört, ihr auch im Rahmen der weiteren Sachbearbeitung viel Zeit eingeräumt und Maßnahmen recherchiert, die Abhilfe schaffen konnten. 
Ein Jahr nach Abschluss der Ermittlungen hat sie mich im Büro aufgesucht, um mir zu danken, weil der Spuk für sie genau seit einem Jahr beendet war. Sie übergab mir eine Ausgabe der Zeitschrift „Stern“, die zu diesem Zeitpunkt das Thema Nachstellung aufgenommen hatte, und insbesondere über justizielle Erfahrungen aus Österreich berichtete.
Die Reaktion der Geschädigten, mir nach einem Jahr für meine Arbeit zu danken hat mich überrascht, allerdings auch beeindruckt. Ich war davon ausgegangen, dass ich meinen Job professionell ausgeführt hatte – nicht mehr. 
Seit dieser Zeit gehe ich  tatsächlich bewusster damit um, „bei“ meinem Gegenüber zu sein, unabhängig davon, ob es den Bürger oder den Mitarbeiter betrifft, das heißt da sein, zuhören, Maßnahmen recherchieren und treffen.

In welcher Situation hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht?

Anlass war eine Personalanpassung in der Direktion Kriminalität (K), an das genaue Jahr kann ich mich nicht mehr erinnern – vermutlich 2008 bis 2010. K hatte eine Anzahl von Kriminalbeamten an die Direktion Gefahrenabwehr/Einsatz (GE) abzugeben. Der damalige Leiter der Direktion K hatte ein Raster entwickelt, wonach zunächst alle bei K eingesetzten Beamten, die noch nicht kriminalpolizeilich ausgebildet waren, in Richtung GE umzusetzen waren. Ich habe damals eine Dienststelle geleitet, in der auch eine Beamtin von dieser Regelung betroffen war. Die Personalentscheidung wurde mir per Telefon über einen Inspektionsleiter – nicht mal über den für mich zuständigen mitgeteilt. An dem vom Direktionsleiter beschlossenen Verfahren war ich nicht beteiligt, genauso wenig war die Personalie der Kollegin zu diskutieren. Erschwerend und deshalb für mich auch nicht nachvollziehbar war, dass diese Kollegin genau eine Woche später für die Einführungsfortbildung vorgesehen war. Wir hatten die Umsetzung hinsichtlich der Fortbildungsmaßnahme im Vorfeld mit dem Leiter der Direktion K und der Gelichstellungsbeauftragten in mehreren Gesprächen gemeinsam abgestimmt. Meine Mitarbeiterin war zu diesem Zeitpunkt in Teilzeit beschäftigt und hatte ein Kind im Kindergartenalter. Ihr Ehemann und sie hatten für den Zeitraum des Lehrgangs entsprechende Vorbereitungen getroffen (die Kollegin arbeitete für den Zeitraum des Lehrganges ganztags, ihr Ehemann in Teilzeit). Ich habe versucht, zu intervenieren, auch in Zusammenarbeit mit der damaligen Gleichstellungsbeauftragten, die mir in dieser Sache allerdings keine Hilfe war. 

In dieser Situation habe ich mich ohnmächtig gefühlt, weil Entscheidungen der Direktionsleitung schlicht umzusetzen und nicht verhandelbar waren – es fehlte die Beteiligung an dem Gesamtprozess im Vorfeld und für mich damit verbunden auch die Nachvollziehbarkeit der Entscheidung des Direktionsleiters.

Transparenz, Beteiligung und Beschreibungen von Prozessen – zum Beispiel, was geht, was geht nicht – halte ich in diesem Kontext für herausragend wichtig und unabdingbar. Dieser Maßstab gilt für mich im Innenverhältnis, aber auch im Kontakt mit dem Bürger. 

Was bedeutet der Diensteid für Dich persönlich?

Er macht bewusst, für welche grundlegenden Werte ich als Polizeibeamtin stehe. Meines Erachtens sollte der Diensteid im Präsidium mehr Raum bekommen, zum Beispiel als Wand-Tattoo in der Eingangshalle/in den Büros, denn der Diensteid an sich beinhaltet die Philosophie, nach der ich mein Handeln ausrichte. Mehr Worte, Erklärungen, Konkretisierungen braucht es gar nicht. 

Auf einer Skala von 1 (auf jeden Fall) bis 10 (auf gar keinen Fall): Würdest Du Dich heute noch einmal dafür entscheiden, Dich bei der Polizei zu bewerben – und warum (nicht)? 

Auf jeden Fall (Eins).

Alfons (70), Erster Polizeihauptkommissar a.D., ehemals Leitungsstab/Pressestelle

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben?

Aus heutiger Sicht waren wohl hauptsächlich zwei Gründe ausschlaggebend:

a) Eigentlich wollte ich Informatik studieren, habe aber ein Jahr vor dem Abitur die Schule geschmissen. Ich war in einem Internat, das wie die englischen Boarding Schools aufgebaut war. Ältere Schüler übernahmen Verantwortung und Führung von und gegenüber jüngeren Internatsschülern. Sie waren maßgeblich für die Alltagsabläufe verantwortlich. Neben der Regelung von Konflikten spielte da Gerechtigkeit eine große Rolle. Dafür wollte ich mich immer einsetzen.

b) Mein Vater war in der NS-Zeit aktiver Kolpingbruder. Seinen 18. Geburtstag verbrachte er in einer Justizvollzugsanstalt in Herford. Er war zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er während eines illegalen Kolpingtreffens das Kolpinglied gesungen hatte. Solchen Polizisten, wie die, die die Versammlung gestürmt hatten und die meinen Vater vernommen hatten, wollte ich durch mein Ergreifen des Berufs zukünftig keinen Raum mehr geben.

Welche Einsatzsituation/Situation im Beruf ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht?

Es gibt da keine einzelne Situation, aber eine Vielzahl von Situationen, die nur im Team erfolgreich gelöst wurden. Meine Beiträge bei der Planung und Durchführung des Papstbesuchs 1987 in Münster oder beim Castortransport 1998 nach Ahaus habe ich ebenfalls positiv in Erinnerung.

Die Einschätzung der Fähigkeiten und mein Vertrauen in meine Kolleginnen und Kollegen wurden im Laufe meiner Dienstzeit insgesamt gestärkt. Der Papstbesuch und der Castortransport haben mich (noch) selbstbewusster gemacht und waren Quelle eines dienstlichen Netzwerkes, das bis zum Ende meines aktiven Dienstes gehalten hat.

In welcher Situation hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht?

Ein Kollege mit dem ich vom Grundlehrgang bis zur zweiten Fachprüfung beruflich zusammen war, wurde am 10. Juli 1979 im Alter von 27 Jahren bei einer Fahrzeugkontrolle im Hochsauerlandkreis zusammen mit seinem Kollegen erschossen. Die beiden wussten nicht, dass sie einen 18-jährigen belgischen Soldaten kontrollierten, der gerade desertiert war und gestohlene Militärwaffen mit sich führte.

Ich habe mir immer vorgestellt, dass das auch mir hätte passieren können. Ich bin danach argwöhnischer bei und in vermeintlich harmlosen Situationen geworden. Unsere Grundlehrgangsklasse hat das Ereignis bis heute zusammengeschweißt und wir haben auch heute noch Kontakt zu seiner Witwe.

Innerdienstlich habe ich mich mehrfach „ohnmächtig“ gefühlt, wenn es um die Beurteilung von Kolleginnen und Kollegen und letztendlich dann auch um die Beförderungschancen ging. Auch ein Grund für mich, mich gewerkschaftlich und in der Personalvertretung zu engagieren. 

Was bedeutet der Diensteid für Dich persönlich?

Ich hatte nach der Vereidigung das Gefühl, nunmehr ein „richtiger“ Polizist mit einem Auftrag der Gesellschaft für die Gesellschaft zu sein. Für mich war es besonders feierlich, weil ich als Lehrgruppensprecher auf der Bühne stand.
 
Auf einer Skala von 1 (auf jeden Fall) bis 10 (auf gar keinen Fall): Würdest Du Dich heute noch einmal dafür entscheiden, Dich bei der Polizei zu bewerben – und warum (nicht)? 

(Zwei) Es ist ein toller, teamorientierter und abwechslungsreicher Beruf mit vielen Möglichkeiten, seine Fähigkeiten und Interessen einzubringen.

Amrei (33), Regierungsbeschäftigte, Kriminalkommissariat Kriminalprävention/Opferschutz

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben?

Ich war als Sozialpädagogin auf der Suche nach einer neuen Stelle und wollte mich beruflich nach rund zwölf Jahren im Bereich der Jugendhilfe ein wenig umorientieren. In diesem Zuge begegnete mir die Stellenausschreibung der Polizei für die Präventionsarbeit im Bereich von Kinder- und Jugenddelinquenz im Kriminalkommissariat Kriminalprävention/Opferschutz (KK KP/O).
Ich fand die Polizei als Arbeitgeber sofort ansprechend. In meinen Augen ein spannender, großer und sicherer Arbeitgeber, über den jeder vermeintlich etwas weiß und doch nur von außen darauf schauen kann. Es reizte mich sehr, Teil dessen werden zu können. Ich hätte nicht gedacht, dass ich als „Außenstehende“ (nicht Beamte) mit einer ganz anderen beruflichen Qualifikation bei der Polizei eine Ausschreibung finde, auf die ich mich bewerben kann.

Welche Situation bei der Polizei ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht?

Wäre Corona nicht einige Wochen nach Beginn meiner Tätigkeit bei der Polizei gewesen (Start war am 01.01.2020), würde hier nun vielleicht eine Situation aus dem Arbeitsalltag stehen. Vielleicht. Denn am einprägsamsten war bisher für mich etwas ganz anderes. Ich hielt mich ja für ziemlich „außenstehend“ und etwas fremd, als Sozialpädagogin bei der Polizei. Schließlich wissen hier alle, wie es läuft, außer mir. Und ich fragte mich, was die Kollegen wohl von so einer Kollegin halten, die nicht mal ansatzweise Ahnung vom Beruf des PVB hat. Umso beeindruckender fand ich es, dass ich vom ersten Tag an „mit dazu gehörte“ und mir nicht an einem einzigen Tag oder in einem einzigen Moment das Gefühl gegeben wurde, ich sei „nur“ Sozialpädagogin oder „nur“ Regierungsbeschäftigte und gehöre deshalb weniger dazu. Im Gegenteil. Ich wurde sofort aufgenommen in die „Familie der Polizei“ und mir wurde bisher jederzeit auf Augenhöhe begegnet – klingt kitschig, ist aber so. Von dieser Tatsache war ich völlig überrascht, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Nicht, weil ich ein schlechtes Bild von der Polizei hatte. Aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass man als „Außenstehende“ – für die ja anscheinend nur ich mich hielt – mit so einer Offenheit aufgenommen und integriert wird.

Mir wurde ein Gefühl der Akzeptanz und Zugehörigkeit vermittelt, was mich absolut stärkte und ein Einfinden in das Konstrukt „Polizei“ unglaublich erleichterte. Ich habe einige Zeit gebraucht, um das wirklich zu verstehen und zu verinnerlichen. Für die Kollegen ist es egal, ob ich Regierungsbeschäftigte bin oder sonst was. Ich bin unglaublich froh und glücklich darüber, ein Teil der Polizei sein zu dürfen und fühle mich wohl, sicher und absolut integriert. 

In welcher Situation bei der Polizei hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht?

Es gab verschiedene Situationen, in denen ich mich ohnmächtig gefühlt habe. Meine Position als Regierungsbeschäftigte, die aber dennoch im „Außendienst“ tätig ist, warf und wirft immer wieder viele Fragen auf. Zu Beginn stellte sich zum Beispiel die Frage, ob ich nun auch einen Strafverfolgungszwang hätte. An dieser Stelle fühlte ich mich überfordert. Wie sollte ich denn ohne die Ausbildung und das Wissen beurteilen können, wie ich wann handeln muss? Ich könnte Dinge übersehen, Situationen falsch einschätzen und verkehrt handeln. Gott sei Dank – eine große Erleichterung – war schnell klar, dass ich dem Strafverfolgungszwang nicht unterliege. Das war glaube ich die Situation, die mich am meisten verunsicherte.
Aber auch Fragen wie: Was trage ich zu einer Fahrradregistrierung oder wenn wir einen Stand haben? Keine Weste – und somit bin ich ohne Schutz? Oder eine neutrale Weste? Oder eine schusshemmende Weste? Oder eine Warnweste? Mit Aufschrift Polizei? Ist das erlaubt? Bin ich dann noch mehr im Fokus und somit auch mehr gefährdet? Belastet es die Kollegen, jemanden dabei zu haben, der sie nicht schützen kann und höchstens noch zusätzlich geschützt werden müsste, im Falle des Falles? Was ist eigentlich, wenn mir bei einem Termin in einer Schule eine Straftat anvertraut wird? Auch ohne Strafverfolgungszwang hab ich ja vielleicht eine Sorgfaltspflicht und muss den Dingen nachgehen?
Es gibt noch viele Fragen und viele Dinge zu klären. Gleichzeitig ist es aber super spannend, diesen Prozess begleiten zu können und von Beginn an miterleben zu dürfen.

Was bedeutet die Dienstverpflichtung für Dich persönlich?

Mein erster Tag war gleichzeitig der Tag der Dienstverpflichtung. Demnach war alles ziemlich aufregend. Ich wusste überhaupt nicht, was wie wo wann alles passieren wird. Wir waren mit wirklich vielen Leuten in dem großen Raum des Präsidiums. Viele Kollegen standen drum herum, um ihre Neuankömmlinge zu unterstützen. Es fühlte sich alles schon sehr besonders an. Die Tatsache, dass die Verpflichtung stattfand, bevor überhaupt irgendetwas anderes passierte, betonte ihre Bedeutung. So auch der sehr offizielle und formelle Rahmen. 
Mir war klar: Ich werde hier mit Sachen betraut und bekomme Dinge mit, die für die Öffentlichkeit häufig niemals zugänglich sind. Und ich trage mit allen anderen zusammen hierfür die Verantwortung und habe die Pflicht, dass dies auch so bleibt. Komplettes Neuland war dies für mich nicht, da ich in meinen bisherigen Tätigkeiten mit sehr sensiblen Daten über die Menschen betraut war und oft in besonderem Maße der Schweigepflicht unterlag. Daher sind die Inhalte der Dienstverpflichtung für mich irgendwie selbstverständlich und völlig klar. Dennoch war der Moment besonders. Nicht nur im Sinne der Verantwortung, sondern eben auch im Sinne der Aufnahme in die Polizei und der Zugehörigkeit.

Auf einer Skala von 1 (auf jeden Fall) bis 10 (auf gar keinen Fall): Würdest Du Dich heute noch einmal dafür entscheiden, zur Polizei zu gehen – und warum (nicht)? 

Ich habe die Eins markiert, da ich mich auf jeden Fall wieder dafür entscheiden würde, zur Polizei zu gehen. Ich denke, meine vorangegangenen Beschreibungen haben dies auch schon deutlich werden lassen. Es ist für mich ein ganz anderer, besonderer Arbeitgeber. Es hat nichts mit den Institutionen zu tun, welche ich bisher kennen gelernt habe und für die ich bisher tätig war. Es ist etwas ganz anderes. Und dieses „ganz andere“ gefällt mir sehr gut. Der Zusammenhalt unter den Kollegen und die Gemeinschaft sorgen dafür, dass ich wirklich sehr, sehr gern hierher komme. Vielleicht werden mir noch hin und wieder Dinge begegnen, welche ich als störend empfinde – aber wäre ja auch irgendwie komisch wenn nicht, oder?

Andreas (60), Erster Polizeihauptkommissar, Polizeiwache Friesenring

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben?

Sehr problematisch zu beschreiben, ist schon ewig lange her. Würde mich heute bewerben, um konsequent für Recht und Gesetz einzustehen, weil ich glaube, dass die Gesellschaft genau das jetzt von ihrer Polizei fordert und auch erwarten kann.

Welche Situation bei der Polizei ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht?

Die Einsatzbearbeitung „Kiepenkerl“; Kolleginnen und Kollegen sind zum Dienst gekommen, alle sind zusammen füreinander eingestanden! Das hat mich stolz gemacht… Teil der Polizeifamilie Münster zu sein.

In welcher Situation bei der Polizei hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht?

In Teilen ohnmächtig macht mich stets der Einsatzanlass: „Überbringen von Todesnachrichten“, es gibt hier kein Handlungsmuster, ich muss Familienangehörigen eine Endlichkeit vermitteln, ohne dafür verantwortlich sein zu können, beziehungsweise Lösungen anzubieten.

Was bedeutet die Dienstverpflichtung für Dich persönlich?

Als Verfechter „alter“ Werte bildet der Diensteid in jetziger Form genau dieses ab. Ich befürchte, dass diese Darstellung für unsere Nachwuchsgeneration zu allgemein gehalten ist. Ich wünsche mir hier gerne eine detaillierte Darstellung. Analog: alternativer Diensteid.

Würdest Du Dich heute noch einmal dafür entscheiden, zur Polizei zu gehen – und warum (nicht)? 

Auf jeden Fall wieder, mein Traumjob. Insbesondere durch die Vielfältigkeit, die angeboten werden kann.

Anonym

Was war Deine Motivation, Polizist/Polizistin zu werden?

Ich hatte immer schon einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und versuche, zwischen Menschen zu vermitteln und Harmonie herzustellen. Als Kind und Jugendlicher habe ich immer gern die Serie „Großstadtrevier“ mit dem fiktiven Polizisten Dirk Matthies gesehen. Dieser hat sich auch in seiner privaten Zeit mit Menschen aus seinen Einsätzen auseinandergesetzt und sich für Menschen stark gemacht. Mir ist wichtig, dass ich mir für mein Gegenüber, den Menschen, das Individuum Zeit nehme, wenn es die Situation hergibt, und mit diesen auf einer Ebene kommuniziere. Bürgernah und Freund und Helfer.

Welche Einsatzsituation ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben - und was hat diese Situation mit Dir gemacht?

In einem Frühdienst kurz vor dem Wechsel erhielten wir einen Einsatz „Verkehrsunfall Flucht, Gartenzaun beschädigt“. Beim Eintreffen trafen wir den Besitzer des Zauns, welcher stark beschädigt war, an. Während der Unfallaufnahme erschien eine Nachbarin des Geschädigten und gab an, dass sie den Unfall beobachtet und Kontakt zu der Unfallverursacherin habe. Man habe gemeinsam versucht, den Besitzer zu erreichen, was beiden vor Ort misslang. Die Nachbarin bot daraufhin der Unfallverursacherin an, ihre Personalien an den Besitzer weiterzureichen.

Ihren Angaben nach wohnte die Verursacherin nur zwei Straßen weiter. Wir entschlossen uns also, die Anschrift der Unfallfahrerin aufzusuchen. Ihr Pkw mit den entsprechenden Unfallschäden parkte vor dem Zweifamilienhaus. Auf unser Klingeln öffnete jedoch niemand. Kurz darauf erschien ein älterer Herr, welcher aus dem Garten nach vorne ums Haus ging und sich als der im Erdgeschoss wohnende Vermieter herausstellte. Auf die Frage, ob die Dame, die den Pkw führe, denn zu Hause wäre, äußerte er, dass sie sich fast ausschließlich mit dem Pkw fortbewege und deshalb eigentlich zu Hause sein müsse.
Wir baten den Vermieter, die Tür zu öffnen, damit wir nach oben zur Wohnung gelangen konnten. Dort stand die Tür einen Spalt weit offen. Auf unser Rufen in die Wohnung hörten wir eine leise, wimmernde Stimme aus der Küche und entschieden uns, in die Wohnung einzutreten. Wir fanden eine ältere Dame auf dem Rücken liegend vor der Küchenzeile, neben ihr ein zerbrochenes Glas. Wir forderten einen Rettungswagen an, halfen ihr auf und setzten sie auf einen Stuhl und redeten mit ihr. Neben ihr hockend fiel mir auf, dass ihr linker Arm kraftlos wirkte. Die Kollegin, die ihr gegenüber stand, bemerkte, dass eine Gesichtshälfte wie gelähmt wirkte. Wir gingen von einem Schlaganfall aus und riefen sofort einen Notarzt hinzu. Wir erreichten noch die Tochter der Betroffenen, welche kurz nach dem Notarzt eintraf.

Ein paar Monate später erreichte das Präsidium ein Brief der Betroffenen, in welchem sie ihre Dankbarkeit ausdrückte und uns als ihre drei „lebensrettenden Engel“ bezeichnete, die ihr ein zweites Leben geschenkt hätten.

Fast ein Jahr nach dem Vorfall besuchten die Kollegin und ich (unser damaliger Praktikant war nicht mehr dabei) die Dame und klingelten an der Tür. Als sie öffnete, schossen ihr direkt die Tränen in die Augen und sie bat uns hinein. Dort erzählte sie uns, dass sie aufgrund unseres schnellen Handelns keine Folgeschäden davongetragen habe. Sie habe stattdessen dank uns ein zweites Leben geschenkt bekommen und bereits eine Kreuzfahrt im Folgejahr gebucht. Höchstwahrscheinlich wäre die Dame ohne uns in ihrer Wohnung verstorben.

Das hat mir persönlich nochmal aufgezeigt, wie wichtig es ist, im Dienst auf sein Bauchgefühl zu hören. Ich bin froh, dass wir uns durch das „Nicht-öffnen“ der Tür nicht haben abschrecken lassen und über den Vermieter die Wohnung betreten haben. Die Alternative wäre gewesen, die Spuren am Fahrzeug zu sichern und es beim Klingeln zu belassen. Unser Bauchgefühl hatte uns damals nicht getäuscht und uns dazu bewogen, dranzubleiben, was im Endeffekt ein Leben gerettet hat.

Im Polizeidienst kommt man in viele Situationen, in denen man es mit „Grauzonen“ zu tun bekommt. Man weiß ab und an rechtlich nicht weiter, aber das Bauchgefühl sagt einem, dass man dranbleiben soll und darauf sollte man hören. 
Auch im Umgang mit Menschen sind das Bauchgefühl und Empathie wichtig, um Zugang zu dem Gegenüber zu bekommen und Einsätze erfolgreich mit und für den Menschen meistern zu können.

In welcher Situation hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt - und was hat das mit Dir gemacht?

2013/2014 erhielten wir in Köln-Ehrenfeld einen Einsatz „Rauchentwicklung aus Wohnung“. Zunächst konnten wir den Einsatzort nicht lokalisieren, bis wir merkten, dass wir an der falschen Seite der Straße standen. Durch die Fußgängerzone bewegte sich eine weiße Rauchwolke auf uns zu. Ich bewegte mich mit einem Auszubildenden fußläufig durch die Fußgängerzone, um die Quelle der Rauchentwicklung auszumachen. Der Kollege/die Kollegin setzte das Fahrzeug um. Die Quelle der Rauchentwicklung kam aus dem vierten Stock eines Mehrfamilienhauses. Auf dem zur Straße hin gelegenen Balkon stand ein Mann, während aus der hinter ihm gelegenen Wohnung bereits die Flammen nach draußen schlugen.
Ich forderte über die Leistelle der Polizei sofort die Feuerwehr an. Ich merkte, dass es mir aufgrund der Stresssituation schwer fiel zu beschreiben, wie die Feuerwehr anfahren sollte. Obwohl ich den Bereich tagtäglich befuhr und gut kannte, wollten mir die Straßennamen nicht mehr einfallen.

Aus dem Haus liefen mehrere Personen direkt auf uns zu und schrien uns an, dass wir etwas tun sollten. Da jedoch weder Feuerwehr mit Löschfahrzeugen, noch Rettungswagen am Einsatzort waren, hatten wir nur die Möglichkeit, Personen aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Ich eilte durch das Treppenhaus nach oben zu der Wohnung. Die Etage, auf der sich die Wohnung befand, war stark verraucht. An der Wohnungstür versuchte sich ein Mann Zutritt zu der Wohnung zu verschaffen, wahrscheinlich um zu Hilfe zu eilen. Aber auch auf der Seite der Wohnung schlugen einem die Flammen entgegen. Ich zog den Mann von der Tür weg und versicherte mich, dass die Etage frei von Personen war. Die oberen Etagen konnte ich nicht begehen, da der dichte Rauch über das Treppenhaus nach oben zog.

Ich ging wieder nach unten, wo bereits die Feuerwehr eingetroffen war. Ich nahm alle Bewohner, die ich noch im Gebäude antraf, mit nach draußen und brachte sie aus dem Gefahrenbereich. Wir sperrten zusammen mit anderen Einsatzmitteln den Bereich ab und ließen die Feuerwehr ihre Arbeit machen. Viele Schaulustige versuchten immer wieder, in den Gefahrenbereich zu gelangen, um Fotos und Videos zu machen.

Über Gespräche mit Nachbarn des geschädigten Mannes stellte sich heraus, dass dieser starker Alkoholiker und Raucher gewesen war und es schon häufiger zu „Beinahebränden“ gekommen war.

Der Mann hatte starke Verbrennungen am Körper erlitten. Leider weiß ich bis heute nicht, ob er überlebt hat.
Ich hatte mich in der Situation sehr hilflos gefühlt, war aber hinterher sehr froh, wie einfühlsam und kompetent mit uns umgegangen wurde. Es wurden intensive Nachbereitungs- und Verarbeitungsgespräche geführt, in denen man uns gezeigt hat, dass man uns nicht alleine lässt mit dem, was wir erfahren haben. Das hat mir sehr geholfen. Empathie ist auch im Umgang mit den eigenen Kollegen wichtig.

Was bedeutet der Diensteid für Dich persönlich?

Unser Grundgesetz sichert jedem hier lebenden Menschen gewisse Rechte zu, die es ihm – unabhängig von Herkunft, Religion und Hautfarbe – ermöglichen, hier in Freiheit und Sicherheit zu leben. Für mich hat das was mit Respekt gegenüber jedem Menschen zu tun. So gehe ich an jeden Einsatz heran, indem ich jedem Menschen signalisiere, dass ich ihn ernst nehme, respektiere, zuhöre und helfe. 

Darüber hinaus hat sich in diesem Land auch jeder hier lebende Mensch an die hiesigen Gesetze zu halten, damit ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft gewährleistet werden kann.  
Um diese Balance zwischen Rechten und Pflichten zu wahren, dafür stehe ich als Polizist ein, mit dem Menschen und für den Menschen.

Beim Ablegen des Diensteides habe ich den letzten Passus „so wahr mir Gott helfe“ bewusst weggelassen. Ich bin nicht gläubig und für mich hat Menschlichkeit nichts mit Religion zu tun.

Auf einer Skala von 1 (auf jeden Fall) bis 10 (auf gar keinen Fall): Würdest Du Dich heute nochmal dafür entscheiden Polizist zu werden - und warum (nicht)?

Antwort: Eins. Der Beruf bringt jeden Tag was Neues mit sich. Die Arbeit mit Menschen ist zwar oft anstrengend, aber auch spannend. Man hat Berührungen und Einsicht in jede Schicht der Gesellschaft. Oft führt der Beruf einem vor Augen, wie gut es einem selbst eigentlich geht, und dass man sein Leben genießen soll, aber auch, dass man auf seine Mitmenschen achtet und Rücksicht nimmt. 

Darüber hinaus ist der Beruf krisensicher und bietet finanzielle Sicherheit.

Eileen (27)

Was war Deine Motivation, Dich bei der Polizei zu bewerben?

Tatsächlich habe ich mich nicht bei der Polizei beworben, sondern wurde von der Bezirksregierung Münster für meinen letzten Ausbildungsabschnitt zur Polizei versetzt. Dennoch hätte ich einige Gründe für eine Bewerbung gehabt. Zunächst einmal suchte ich einen Beruf, in dem es abwechslungsreiche Tätigkeitsfelder gibt und kein Tag wie der andere ist. Weiter war für mich wichtig, einen Beruf zu erlernen, mit dem ich etwas bewirken kann. Durch rechtmäßiges Handeln kann ich hier dazu beitragen, dass die Verwaltung der Polizei Münster funktioniert und eine gewisse Personalzufriedenheit herrscht. Ergänzt wird dies natürlich noch durch die Sicherheit im öffentlichen Dienst und die flexible Arbeitszeitgestaltung. Ferner schätze ich die kollegiale Zusammenarbeit in unserer Behörde, die ich nicht mehr missen möchte.

Welche Einsatzsituation/Situation im Beruf ist Dir besonders positiv in Erinnerung geblieben – und was hat diese Situation mit Dir gemacht? 

Eine spezielle Situation, die mir besonders in Erinnerung geblieben ist, kann ich so gar nicht benennen. Es gab eine Vielzahl von Situationen, die mir Spaß gemacht haben. Besonders die Betreuung und das Anlernen von neuen Anwärter/innen macht mir immer Freude, sowie die Organisation und Durchführung der Auswahlverfahren von neuen Auszubildenden. Hier konnte ich mich selbst, noch einige Jahre zuvor, wiedererkennen, und mir ist nochmal bewusst geworden, dass sich meine Persönlichkeit weiterentwickelt hat und ich durch die Erfahrungen der Behördenarbeit profitieren konnte. 

In welcher Situation hast Du Dich schon einmal ohnmächtig gefühlt – und was hat das mit Dir gemacht? 

Ohnmächtig habe ich mich hier zwar noch nicht gefühlt, aber es gab Situationen, in denen ich sehr zwiegespalten war. Im Bereich des Personalwesens ist – meiner Einschätzung nach – die größte Schwierigkeit, alle Interessensgruppen in meinen Entscheidungen zu berücksichtigen. Es stellt sich manchmal heraus, dass es unmöglich ist, alle Seiten immer zufriedenzustellen. Mir ist es dabei aber immer wichtig, dass jeder mindestens die Chance hat, sich zu äußern, und dass der betroffenen Partei die Umstände der Entscheidung erläutert werden.

Was bedeutet der Diensteid für Dich persönlich? 

Der Diensteid bedeutet für mich jederzeit Loyalität. Es ist meine gesetzliche und moralische Pflicht, gerechte Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen zu treffen.

Würdest Du Dich heute noch einmal dafür entscheiden, Dich bei der Polizei zu bewerben – und warum (nicht)?

Ich würde mich heute immer noch genauso entscheiden. Punktabzug gibt es von mir nur, weil der Versuch, alles bis ins kleinste Detail mit Vorschriften zu regeln, die Verwaltung und das Land lähmt. Manchmal wünsche ich mir hier etwas mehr Flexibilität. Ansonsten kann ich nur jedem empfehlen, in die große Polizei-Familie einzutreten. 

In dringenden Fällen: Polizeinotruf 110